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5. April 2011 / markushaenni

Transplantation

Lungentransplantation (LTx)

Die häufig auftretenden Lungeninfektionen bei Mukoviszidose führen zu einer zunehmenden Zerstörung des Lungengewebes. Dies führt langfristig dazu, dass die Lunge versagt und dann keinen Sauerstoff mehr aufnehmen und Kohlendioxid abgeben kann. Im Endstadium der Erkrankung ist ein Lungenversagen für die meisten Patienten die lebensbegrenzende Komplikation.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann dann eine Lungentransplantation vorgenommen werden. Die 5-Jahresüberlebensrate nach einer Lungentransplantation beträgt derzeit etwa 50-70 Prozent und schwankt abhängig vom LTx-Zentrum. Die Lebensqualität verbessert sich enorm, da eine Transplantation den Patienten von dauerhafter Sauerstoffzufuhr, schwerer Atemnot und Immobilität befreit.

Was wird gemacht?

In der Regel tauscht man bei Mukoviszidose-Patienten wegen der großen Infektionsgefahr beide Lungenflügel gegen eine gesunde Spenderlunge aus. Die Operation wird in einem entsprechenden Transplantationszentrum durchgeführt und dauert zwischen zweieinhalb und acht Stunden. Danach bleibt der Patient durchschnittlich drei Tage auf der Intensivstation im Tiefschlaf bei künstlicher Beatmung. Bei einem komplikationsfreien Verlauf wird der Frischtransplantierte nach zehn bis zwölf Tagen von der Intensivstation auf die normale Station verlegt und kann in der Regel das Krankenhaus nach einem Gesamtaufenthalt von vier bis fünf Wochen verlassen.

Welche Probleme können auftreten?

Unmittelbar nach der Transplantation kann besonders die akute Abstoßung zu Problemen führen. Mittel- und längerfristig ist die chronische Abstoßungsreaktion zu fürchten. Der Arzt versucht ihr mit einer so genannten immunsuppressiven Therapie entgegenzuwirken. Der Patient muss sein Leben lang immunsuppressive Medikamente (beispielsweise Kortison oder Cyclosporin) einnehmen, die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken sollen. Zusätzlich erfolgt eine vorbeugende Therapie gegen Infektionen mit gefährlichen Keimen. Der Zustand des Patienten muss regelmäßig kontrolliert werden.

Wann ist der geeignete Zeitpunkt für eine Transplantation?

Die Möglichkeit einer Lungentransplantation sollte dann diskutiert werden, wenn die Lebensqualität trotz Ausschöpfung aller üblichen Behandlungsmaßnahmen zunehmend eingeschränkt wird. Die LTx stellt eine krankheitsmildernde, keinesfalls eine heilende Maßnahme dar.

Anhaltspunkte für den geeigneten Zeitpunkt für eine Transplantationsvorbereitung sind:

Eine deutlich abnehmende körperliche Belastbarkeit, eine ständige Sauerstoffabhängigkeit, eine Einsekundenkapazität (FEV1) unter 30 Prozent, ein arterieller Sauerstoffdruck unter 55 mmHg, eine sehr häufige Notwendigkeit für Antibiotika i.v.-Therapien und eine rasche Verschlechterung des Gesamtzustandes. Bei der Anmeldung in einem Transplantationszentrum wird das psychosoziale Umfeld des Patienten und die Bereitschaft zu eingehenden Kontrolluntersuchungen nach der Operation geprüft und berücksichtigt.

Wie meldet man sich zu einer Transplantation an?

Die Mukoviszidose-Ambulanz, der Hausarzt oder der Lungenfacharzt meldet den Patienten mit den entsprechenden Ergebnissen aus den Voruntersuchungen beim Transplantationszentrum an. Hier folgt dann nochmals eine Reihe von Untersuchungen und von dort erhält der Patient dann Informationen über weitere Einzelheiten und Voraussetzungen.

Kommt eine Transplantation in Frage, wird der Betroffene bei Eurotransplant in Leiden (Niederlande) angemeldet und kommt auf eine Warteliste. In der Regel beträgt die Wartezeit auf ein Organ passender Größe und Blutgruppe ca. ein Jahr (im Einzelfall: einige Wochen bis zwei Jahre). Die Wartezeit ist stark abhängig vom Transplantationszentrum. Aufgrund dieser Wartezeiten sollte möglichst früh mit einem entsprechenden Transplantationszentrum Kontakt aufgenommen werden, um die Dringlichkeit zur Operation abschätzen zu können.

Was passiert dann?

Der Patient muss über ein Handy verfügen um jederzeit erreichbar zu sein. Trotz einer Listung macht ein akuter Infekt eine LTx nicht möglich. Für diese Zeit wird der Patient „NT“ (nicht transplantabel) gelistet. Nach Behebung des akuten Infektes, kommt es erneut zu einer aktiven Listung.
Während der Wartezeit sollte der Patient versuchen, sein Körpergewicht zu verbessern, da ein guter körperlicher Allgemeinzustand den Erfolg der Transplantation positiv beeinflusst. Die Entscheidung, welcher Patient eine Lunge erhält, bestimmt allein die Transplantationszentrale in Holland. Steht ein passendes Organ zur Verfügung wird der Patient sofort benachrichtigt und in das entsprechende Transplantationszentrum gebracht. Allerdings ist die Anzahl der verfügbaren Spenderorgane nicht ausreichend für alle Patienten auf der Warteliste.

Psychosoziale Aspekte der Lungentransplantation

Die Hoffnungen vieler erwachsener Mukoviszidose-Betroffener mit fortgeschrittener Lungenerkrankung ruhen auf einer möglichen Lungentransplantation. Diese stellt für den Patienten und das gesamte nähere Umfeld eine massive psychische Belastung dar. Während der Wartezeit auf die Transplantation benötigt der Patient eine intensive Unterstützung um die für ihn sehr schwere Zeit, in einer möglichst besten körperlichen und psychischen Verfassung zu überstehen. Auch die Zeit nach der Transplantation muss in einem realistischen Licht gesehen werden. Nicht nur die massiven körperlichen und seelischen Belastungen unmittelbar nach dem Eingriff müssen thematisiert werden, auch die Informationen über die Möglichkeit, dass sich nach der Operation die Lebensqualität durch eine chronische Abstoßungskrise wieder verschlechtern kann. Die seelischen Belastungen eines solchen Eingriffes, die Hoffnungen und Rückschläge bedürfen einer intensiven Auseinandersetzung und professioneller Unterstützung. Daher sind im Behandlungskonzept der Transplantationszentren die psychosozialen Mitarbeiter ein fester Bestandteil der Betreuung.

Seit kurzem ist in einigen Transplantationszentren auch eine Lebendlungentransplantationvon lebenden Spendern möglich. Die psychosozialen Aspekte einer Lebendtransplantation (Niere) werden im folgenden Artikel behandelt:
Psychosoziale Aspekte der Organspende von Lebendspendern von Prof. Dr. A. Kiss (Basel).

Quelle: muko.info

Lesen Sie zu dieser Thematik auch folgenden Artikel: Organtransplantation – Stellungnahme aus christlicher Sicht

 

Film Empfehlung zum Thema „Transplantation“:
DOK vom 7. April 2011 auf SF1 „warten auf das zweite Leben

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