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6. April 2011 / markushaenni

Der Schweißtest

Der Schweißtest

Die Entdeckung, dass der Schweiß von Mukoviszidose-Patienten einen erhöhten Salzgehalt aufweist, führte 1959 zur Einführung des Gibson und Cooke Schweißtests als Diagnoseverfahren. Bis heute ist der Schweißtest der so genannte Goldstandard für die Diagnose von Mukoviszidose.

Der Nachweis beruht auf dem erhöhten Kochsalzgehalt (Natrium-Chlorid) im Schweiß der Betroffenen. Aufgrund einer Funktionsstörung der Schweißdrüsen sind sowohl die Konzentrationen von Natrium- als auch von Chloridionen im frisch produzierten Schweiß stark erhöht. Die Bestimmung dieser Ionen-Konzentrationen stellt ein einfaches und relativ sicheres Diagnoseverfahren für Mukoviszidose dar.

Um eine sichere Aussage treffen zu können, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • es muss möglichst viel Schweiß fließen, dabei muss eine Verdünnung oder Verdunstung ausgeschlossen sein.
  • der Schweiß muss über einen längeren, festgelegten Zeitraum gesammelt werden, da sich die Menge und die Zusammensetzung vom Zeitpunkt des Schweißflussbeginns verändern.

Diese Bedingungen erfüllt die Pilocarpin-Iontophorese, die die Grundlage des völlig ungefährlichen Gibson und Cooke Schweißtests bildet. Pilocarpin ist eine Substanz, die schon in sehr geringer Menge die Schweißdrüsen zu starker Sekretion anregt. Mit Hilfe eines geringen Stromflusses kann diese Substanz ganz gezielt an eine bestimmte Hautregion gebracht werden, an der dann der Schweiß gesammelt wird. Dieser wird dann mit Hilfe physikalischer und chemischer Messmethoden analysiert.

Wie läuft die Untersuchung praktisch ab?

Ein mit Pilocarpin getränktes Mullläppchen wird auf eine gewaschene und getrocknete Hautregion aufgebracht. Dabei eignen sich besonders glatte, unbehaarte Stellen, beispielsweise die Innenseite der Unterarme, bei Säuglingen werden in der Regel die Oberschenkel ausgewählt. Auf das Läppchen setzt man eine Minuspol- Elektrode (Kathode), auf ein zweites Läppchen den Pluspol (Anode). Mit dem Fluss einer minimalen Menge Gleichstroms vom Minus-Pol zum Plus-Pol wandern die Pilocarpinmoleküle in die Haut und können nun gezielt den Schweißfluss anregen. Die Pilocarpinmenge, die Stromstärke (2-5 mA) und die Zeit der Einwirkung sind standardisiert. Diese Prozedur ist völlig ungefährlich, der Patient spürt lediglich ein leichtes Prickeln auf der Haut. Nach fünf Minuten werden die Elektroden und die Läppchen entfernt und der Schweiß wird über 30 Minuten gesammelt. Anschließend muss sofort die Konzentration der Salz-Ionen bestimmt werden, am sensitivsten und spezifischsten hat sich die Auswertung der Chlorid-Ionen-Konzentrationen erwiesen.

Bei einer Chlorid-Ionen-Konzentration unter 40 mmol/l wird eine typische Mukoviszidose ausgeschlossen, eine Chlorid-Ionen-Konzentration von 40-60 mmol/l liegt im nicht aussagefähigen Bereich, Konzentrationen von mehr als 60 mmol/l bestätigen den Verdacht auf Mukoviszidose.

Der Test sollte mindestens zweimal unabhängig voneinander durchgeführt werden, um falsch positive Ergebnisse auszuschließen.

Eine sichere Diagnose aufgrund der Ergebnisse kann nur gestellt werden, wenn alle Standardbedingungen eingehalten wurden. Ansonsten kann es zu einer Falschdiagnose kommen, die allerdings sehr selten ist. Mögliche Fehlerquellen sind dabei:

  • Die Sammelperiode von 30 Minuten wird nicht exakt eingehalten.
  • Die gesammelte Schweißmenge ist zu gering.
  • Das Labor hat zu wenig Erfahrung in der Durchführung des Tests.
  • Liegt eine akute Infektion vor, die zum Beispiel mit einem starken Flüssigkeitsverlust einhergeht, kann das Ergebnis verfälscht sein. Darum sollten die Patienten infektfrei sein, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.

Ein Schweißtest sollte erst ab einem Lebensalter von 48 Stunden durchgeführt werden, da in den ersten 24 Lebensstunden die Schweißelektrolytwerte vorübergehend ansteigen können. Bei rund 98 Prozent der Mukoviszidose-Patienten, die eine für Mukoviszidose typische Symptomatik zeigen, ist der Schweißtest mit Werten über 60 mmol/l positiv. Bei einigen Mutationen im CFTR-Gen, liegen die Ionen-Konzentrationen jedoch im Normal- oder Grenzbereich. Weist bei einem uneindeutigen Ergebnis der Zustand des Patienten auf Mukoviszidose hin, helfen weitere Diagnoseverfahren, eine Aussage zu treffen.

Quelle: muko.info

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