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6. April 2011 / markushaenni

Eltern werden

Eltern werden

Durch die gestiegene Lebenserwartung und Lebensqualität von Menschen mit Mukoviszidose entsteht immer öfter der Wunsch, mit dem Partner eine Familie zu gründen, Kinder zu bekommen.

Frauen mit Mukoviszidose haben aufgrund des Basisdefekts eine erniedrigte Fertilität von rund 20 Prozent im Vergleich mit Gesunden. Trotzdem sind spontane Schwangerschaften möglich und empfängnisverhütende Maßnahmen daher angezeigt, wenn kein Kind gewünscht wird oder die Belastung einer Schwangerschaft zu groß wäre. Zur Empfängnisverhütung für Frauen mit Mukoviszidose finden sich gute Informationen im CF-Manual von Dr. Ballmann u.a. Bei unerfülltem Kinderwunsch ist eine Behandlung mit Hilfe künstlicher Befruchtung (IVF) möglich.

Männer mit Mukoviszidose haben meist (zu 97 Prozent) eine Unterbrechung des Samenleiters, so dass im Sperma keine Samenzellen sind. Trotzdem können Sie Kinder zeugen, indem operativ Spermien aus dem Nebenhoden oder Hodengewebe entnommen werden. Bei der anschließenden künstlichen Befruchtung (IVF) muss die Befruchtung der Eizelle durch Injektion eines Spermiums erfolgen (ICSI).

Vorüberlegungen

Ein Kind fordert Zeit und Kraft ein, ohne Rücksicht auf Therapiezeiten oder Gesundheitszustand der Eltern. Dieser sollte so gut sein, dass zumindest die Hoffnung besteht, die Zeit des Heranwachsens und Erwachsenwerdens des eigenen Kindes zu erleben. Dabei ist besonders zu berücksichtigen, dass bei künstlicher Befruchtung vermehrt Zwillinge (rund 20 Prozent der Geburten) und Drillinge (rund vier Prozent) geboren werden, die von den Eltern wesentlich höhere Arbeitsleistung und Schlaflosigkeit einfordern als Einzelkinder. In Familien mit Mukoviszidose-Vätern sind schon Zwillinge und Drillinge geboren worden, was zu einer spürbaren Verschlechterung der Lungenfunktion beim Vater geführt hat.

Der erste Schritt sollte eine humangenetische Beratung sein

Erster Schritt zum eigenen Kind sollte eine humangenetische Beratung sein, in deren Rahmen sich der Partner auf Merkmalsträgerschaft testen lässt. Ist dieser negativ, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind Mukoviszidose hat, lediglich 0,4 Prozent, auf weitere pränatale Diagnosen kann dann meist verzichtet werden. Ist der Partner Merkmalsträger (was bei jeder 20. Partnerschaft der Fall ist), so beträgt das Risiko 50 Prozent, und dann sollte man die nächsten Schritte reiflich überlegen.

Bei den Neugeborenen wurde bislang keine erhöhte Rate an Fehlbildungen oder wesentlichen Störungen beobachtet. Da ein Elternteil Mukoviszidose hat, sind die Kinder aber (gesunde) Merkmalsträger für Mukoviszidose, wie jeder 20. Bundesbürger. Beweise für ein erhöhtes Fehlbildungs-Risiko der Kinder nach künstlicher Befruchtung und ICSI lassen sich mit den bisher verfügbaren Daten nicht finden.

Die künstliche Befruchtung führt nicht zwangsläufig zum eigenen Kind. Die Erfolgsrate ist altersabhängig und liegt nach mehreren Versuchen zwischen 25 und 50 Prozent.

Schwangerschaft mit Mukoviszidose

Mit den verbesserten therapeutischen Möglichkeiten der vergangenen Jahre werden zunehmend mehr Frauen mit Mukoviszidose schwanger. Je besser es ihr vor der Schwangerschaft ging, um so besser bewältigt sie auch die körperliche Belastung der Schwangerschaft. Individuelle Beratung durch den Mukoviszidose-Arzt ist notwendig, weil im Einzelfall auch von einer Schwangerschaft abgeraten werden muss, um eine rapide Verschlechterung zu vermeiden.

Vaterschaft mit Mukoviszidose

Für die Spermienpunktion ist eine kleine Operation erforderlich, die zweckmäßigerweise mit einer Rückenmarksnarkose durchgeführt wird, bei der keine Beatmung erforderlich ist. Zu den Einzelheiten von IVF und ICSI und dem Ablauf der Behandlung finden Sie Informationen unter: www.familie-kruip.de. Auf dieser Seite finden Sie auch weitere Links mit Informationen zum Thema.

Teilweise Kostenerstattung ist möglich

Über die Kostenerstattung der Spermieninjektion (ICSI) wurde lange vor Gericht gestritten. Die Kosten liegen incl. künstlicher Befruchtung zwischen 5.000 und 10.000 €. Nach dem Urteil des Bundessozialgerichts vom 3. April 2001 (AZ: B 1 KR 40/00 R) sowie der Entscheidung des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen am 26. Februar 2002 ist die ICSI aber im Rahmen der allgemeinen Regelungen zur künstlichen Befruchtung als Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt.

Gemäß §27a des fünften Sozialgesetzbuches (SGB V) übernimmt die Krankenkasse 50% der Kosten für künstliche Befruchtung (medizinische Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft) für bis zu maximal drei Versuche. Vor Beginn der Behandlung ist der Krankenkasse ein Behandlungsplan zur Genehmigung vorzulegen.

In jedem Fall sollte die Kostenübernahme rechtzeitig vor der Durchführung mit der Krankenkasse geklärt werden.

Quelle: muko.info

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