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15. April 2011 / markushaenni

Reisen mit CF

Reisen mit Mukoviszidose – was ist zu beachten?

J. Hammermann, Universitäts-Kinderklinik der TU Dresden
Prof. TOF Wagner, Universitätsklinik Frankfurt

  • Impfschutz überprüfen, eventuell notwendige zusätzliche Impfungen durchführen lassen (meist spätestens 6 Wochen vor Reiseantritt),
  • Informationen über Gesundheitsamt oder Reisebüro, Rücksprache mit CF-Ambulanz erforderlich
  • Krankenkassenschutz überprüfen
  • Abschließen einer zusätzlichen Reisekranken-, Reiserücktritts- und Reisegepäckversicherung
  • Stromversorgung im Urlaubsland erfragen, eventuell Adapter für das Inhalationsgerät besorgen
  • Arztbesuch in der CF-Ambulanz vor Antritt der Reise, Feststellung der Reisetauglichkeit, eventuell geplante i.v.-Therapie kurz vor den Reiseantritt legen
  • Adresse eines CF-Behandlungszentrums am Urlaubsort oder in der Nähe erfragen. Ausreichend Medikamente und zusätzliches Antibiotikum für pulmonale Exazerbationen einpacken
  • Inhalationsgerät einpacken (Passt das Gerät mit der Stromversorgung zusammen (Spannung 110 V oder 220V)? Steckervorrichtung: Ist ein Adapter notwendig?), Desinfektionsmöglichkeiten im Urlaub vorher überprüfen und entsprechend vorsorgen (z. B. Auskochen möglich?)
  • Schreiben des Arztes mit allen Diagnosen, Medikamenten, genauem Dosierungsplan und Menge der mitgeführten Medikamente, Inhalatorbeschreibung (kann evtl. beim Zoll hilfreich sein)

Probleme bei der Einreise in andere Länder bestehen im Allgemeinen nicht, wenn alle Medikamente in genauer Anzahl und die mitgeführten Geräte beim Zoll angegeben werden. Im Zweifelsfall sollte man sich bei der zuständigen Botschaft über besondere Einfuhrbedingungen erkundigen und die Einreise vorher anmelden.

Informationen kann man über das Internet unter folgenden Adressen bekommen:

Spezielle Hygienemaßnahmen im Ausland bezüglich Pseudomonas-Besiedelung:

  • Im Urlaubsdomizil kann – wie überall – ein Pseudomonas-Problem in den Feuchtbereichen bestehen. Es sollten die üblichen Hygienemaßnahmen eingehalten werden (z.B.: Toiletten sollten nur mit geschlossenem Deckel gespült werden, Wasser in Waschbecken und Spülen möglichst ohne viel „Herumspritzen“ auslaufen lassen, etc.)
  • Die Wasserqualität am Strand kann sehr unterschiedlich sein. Bestehen Abwassereinleitungen? Ggf. Testberichte über Wasserqualität ansehen (z.B. http://www.adac.de/ReiseService/Sommerservice)
  • Eine Besiedlung von Schwimmhilfen und „Badeenten“ kann vermieden werden, wenn diese wirklich trocknen können
  • Bei ausreichender Chlorierung (oder anderen geeigneten Maßnahmen zur Keimreduktion wie Salzen oder Ozon-Behandlung) bestehen in Schwimmbädern keine Bedenken. Bei Auffälligkeiten- wie mangelhafter Sauberkeits- und Pflegezustand der Anlage – ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Auch bei privaten Swimmingpools sollte ausreichende Entkeimung sicher gestellt sein
  • Generell ist zu beachten, dass der Hygienestandard im Ausland nicht den gewohnten Hygieneanforderungen entsprechen muss

Krankenversicherung

Seit dem 1. Juli 2004 wird nach und nach die Europäische Krankenversicherungskarte („European Health Insurance Card (EHIC)“) eingeführt. Sie ersetzt unter anderem den bisher notwendigen Auslandskrankenschein (E 111).

Die neue Europäische Krankenversichertenkarte wird zusätzlich zur normalen Krankenversichertenkarte ausgegeben. Sie gilt zunächst in den zwölf EU-Ländern Belgien, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Deutschland, Griechenland, Irland, Schweden, Dänemark, Finnland, Estland und Slowenien sowie in Norwegen. Bis Ende 2005 sollen alle weiteren Mitgliedsländer der EU folgen.

Von den deutschen Krankenkassen wird die Einführung der neuen EU-Karte unterschiedlich gehandhabt. Während einige Versicherungen die Karte bereits ausgeben, nutzen andere Kassen die Übergangsmöglichkeiten. So bleiben alle bis Ende Mai ausgestellten Auslandskrankenscheine bis Ende 2004 gültig. Zudem können Krankenkassen noch bis zum Stichtag 1. Januar 2006 provisorische Übergangsbescheinigungen ausstellen. Im Zweifelsfall fragen Sie rechtzeitig vor Abreise bei Ihrer Krankenkasse nach, ob Sie für den geplanten Auslandsaufenthalt noch spezielle Bescheinigungen beantragen müssen.

Generell gilt: In allen EU-Ländern, in denen es wie in Deutschland bereits eine Krankenversichertenkarte gibt, wird die Karte bis spätestens 2006 eingeführt. Ein gesetzlich Krankenversicherter muss dann nicht mehr für jeden Auslandsaufenthalt einen neuen Papiervordruck beantragen.

Die Erfahrung mit dem bisherigen Auslandskrankenschein zeigt, dass in vielen EU-Ländern trotzdem eine private Rechnungsstellung erfolgt, zum Beispiel auch weil an manchen Urlaubsorten viele Ärzte nur gegen Privatrechnung behandeln. Diese Rechnung muss dann im Nachhinein bei der Krankenkasse eingereicht werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nur die in Deutschland üblichen Behandlungskosten; was darüber hinausgeht, muß selbst gezahlt werden.

Um die eventuell entstehenden Zusatzkosten abzudecken, kann eine private Zusatzversicherung abgeschlossen werden. Einige Auslands-Krankenversicherungen schließen jedoch Behandlungskosten im Rahmen einer Verschlechterung der Grunderkrankung („Notwendigkeit vorher absehbar“) aus ihrem Versicherungsschutz aus. Dies sollte immer vorher abgeklärt und die Grunderkrankung beim Versicherungsabschluss nicht verschwiegen werden.

Ein krankheitsbedingter Rücktransport aus dem Urlaubsland ist grundsätzlich durch die gesetzliche Krankenkasse nicht abgedeckt. Hierfür ist eine entsprechende Auslandskrankenversicherung notwendig, die diese Leistung einschließt. Alternativ ist auch eine Mitgliedschaft bei der Deutschen Rettungsflugwacht e.V. (DRF) möglich, da für deren Mitglieder solche Rücktransporte mit dem Flugzeug abgesichert sind. Mitglieder der Mukoviszidose e.V. können zu günstigeren Konditionen bei der DRF Mitglied werden, Informationen und Antragsformulare erhalten Sie beim Mukoviszidose e.V.

Besondere Regelungen gelten für das Nicht-EU-Ausland. Sollte ein privater Auslandsversicherungsschutz z.B. aufgrund Vorerkrankung nicht möglich sein, muss die gesetzliche Krankenversicherung auch für Kosten die in diesen Ländern anfallen für bis zu 6 Wochen im Kalenderjahr eintreten (§ 18 SGB 5, Absatz 3). Eine vorherige Absprache mit der Krankenkasse ist hierbei zwingend notwendig. Eventuelle Arztkosten werden nur bis zur Höhe, wie sie im Inland entstanden wären, ersetzt.

Geplante Arztvorstellungen und Krankenhausaufenthalte werden grundsätzlich weder von der gesetzlichen Krankenkasse, noch von der privaten Zusatzversicherung im Ausland übernommen.

Viele Krankenkassen bieten auch kostenlose allgemeine Informationen zu Krankenversicherungsschutz und medizinischer Versorgung in verschiedenen Urlaubsländern an.

Höhenaufenthalte

Je nach Höhe verändert sich der Sauerstoffpartialdruck (Sauerstoffgehalt) der Luft. Auf einer Höhe von 5500m ist er nur noch etwa halb so groß wie auf Meereshöhe. Der Körper versucht, dies durch Hyperventilation (vermehrte Atmung)-  abhängig vom Grad der Gewöhnung – auszugleichen. Dadurch kommt es jedoch auch zu erhöhter Atemarbeit mit entsprechendem Gefühl der Anstrengung. Bei Mukoviszidose bestehen zusätzliche Probleme dadurch, daß die Verschlechterung der Verhältnisse unter Belastung größer ist als bei Lungengesunden, es kommt vor allem bei bereits von vorneherein erniedrigtem Sauerstoffgehalt im Blut zur Zunahme nächtlicher Sauerstoffmangelzustände und zu einem weiteren Abfall unter Belastung. Bei Höhenaufenthalten über 2000m besteht eine erhöhte Sterblichkeit von Patienten, die schon unter Normalbedingungen an einem Sauerstoffmangel leiden. Daher sollten bei geplanten Aufenthalten in größerer Höhe – das kann bei entsprechend eingeschränkter Lungenfunktionsstörung auch schon mal bei 800 oder 1000 Metern ü.d.M. der Fall sein – entsprechende Voruntersuchungen erfolgen. Hierzu gehören neben der klinischen Untersuchung die Lungenfunktionsprüfung und Blutgasanalyse in Ruhe und unter Belastung, zusätzlich je nach Schweregrad der Lungenerkrankung und Reisevorhaben evtl. weitere Untersuchungen.

Flugreisen

Bei Flugreisen besteht eine simulierte Höhe von 1800 bis 2700 m Höhe je nach Flugzeugtyp. Es kommt daher zu einem Abfall des Sauerstoffdruckes und dem entsprechend zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut. Es gibt Formeln zur Berechnung der wahrscheinlichen Sauerstoffwerte im Blut während eines Fluges, besonders zuverlässig sind solche Formeln allerdings nicht.

Richtlinien für die Flugtauglichkeit von lungenkranken Patienten werden von allen Fluggesellschaften unterschiedlich aufgestellt. Meist wird relativ undifferenziert die Mitnahme von Sauerstoff empfohlen. Einige Fluggesellschaften verlassen sich auf die Beurteilung des Hausarztes, andere fordern eine zusätzliche Beurteilung durch einen Flugarzt.

Wenn Sauerstoff für die Flugreise benötigt wird, wird in jedem Fall eine aktuelle ärztliche Bescheinigung zur Flugunbedenklichkeit von der Fluggesellschaft gefordert.

Es gibt in diesen Fällen zum einen die Möglichkeit, den Sauerstoff über die Fluggesellschaft oder den Reiseveranstalter zu ordern, zum andern kann man den Sauerstoff selber mitbringen (allerdings nicht als Flüssigsauerstoff!). Die Kosten und der Aufwand können in beiden Fällen je nach Reiseveranstalter und Fluggesellschaft sehr unterschiedlich sein. Oft ist die Mitnahme von Sauerstoff günstiger, dies muss natürlich bei der Fluggesellschaft vorab beantragt werden. Die Sauerstoffflasche und der Druckminderer müssen bestimmten Normen entsprechen, was mit der Fluggesellschaft und dem Lieferanten abgestimmt werden muss. Manchmal ist bei Mitnahme von Sauerstoff eine mitreisende Begleitperson vorgeschrieben.

Es muss ein zusätzlicher Sitzplatz reserviert werden, viele Fluggesellschaften verlangen von Personen mit Schwerbehindertenausweis für die Sitzplatzreservierung aber keine zusätzliche Gebühr.

Der Transport von Sauerstoff-Konzentratoren (für den späteren Gebrauch am Zielort, denn an Bord kann man diese Geräte nicht benutzen) wird auch je nach Fluggesellschaft unterschiedlich gehandhabt. Teilweise ist die Beförderung als medizinisches Hilfsmittel frei, teilweise muß als Übergepäck nach Gewicht gezahlt werden.

Auf Flugreisen besteht durch die schnelle Dekompression (Druckabfall) zusätzlich ein erhöhtes Pneumothorax-Risiko, dieses ist für Mukoviszidose-Patienten mit Lungenstrukturveränderungen erhöht. Auch hier ist einen Rücksprache mit Ihrem CF-Arzt/Ihrer CF-Ärztin unerlässlich.

Sauerstoff auf Reisen

  • Die Sauerstoffversorgung am Urlaubsort sollte immer langfristig und sorgfältig geplant werden. Service, Kosten und Bedingungen sind von Land zu Land sehr unterschiedlich.
  • Sauerstoff-Flaschen können in örtlichen Medizintechnik-Zentren geliehen werden. Dort gibt es auch Listen von Zentren zum Wiederauffüllen der Flaschen im In- und Ausland. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Urlaubsreisen nicht immer.
  • Beim Mitführen eines Sauerstoffkonzentrators muß vorher die Stromversorgung am Urlaubsort geprüft werden.
  • Die in Deutschland versorgende Firma kann in manchen Fällen über Vertragspartner im Ausland eine Versorgung mit Flüssigsauerstoff organisieren.
  • Im Ausland muss vorher geklärt werden ob die gleichen Tanksysteme vorhanden sind. Auch hier hilft in der Regel Ihr örtlicher Lieferant.

Weitere Anregungen oder Fragen?

Mukoviszidose e.V.
In den Dauen 6
53177 Bonn
Tel.: 0228 98780-0
Fax: 0228 98780-77
info@muko.info

Quelle: muko.info

Ich persönlich nehme immer einen MEDICAL REPORT mit, wenn ich ins Ausland gehe. Probleme am Zoll hatte ich noch nie!

Ein MEDICAL REPORT ist eine ärztliche Bescheinigung, auf der die Diagnose, die aktuelle Behandlung und die benötigten Medikamente aufgeführt sind.

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